Der Wetterbericht sagt für Estepona und alles, was westlich ist, eher schlechteres Wetter vorher. Östlich von Marbella sieht es anders aus. Wir planen daher eine Weiße-Dörfer-Runde mit den vier Orten Ojén, Coín, Alhaurín el Grande und Mijas Pueblo. Sie liegen alle östlich von Marbella.
Die „Weißen Dörfer“ Andalusiens heißen auf Spanisch Pueblos Blancos und sind eine der bekanntesten Kulturlandschaften Südspaniens.
🏘️ Was sind die Weißen Dörfer?
Die Pueblos Blancos sind traditionelle Dörfer, deren Häuser weiß gekalkt sind. Sie liegen meist:
- auf Hügeln oder Bergrücken
- in Andalusien, besonders in den Provinzen Cádiz und Málaga
🎨 Warum sind sie weiß?
Das Weiß hat mehrere Gründe:
- Hitzeschutz: Kalk reflektiert Sonnenlicht und hält die Häuser kühl
- Hygiene: Kalk wirkt desinfizierend (historisch wichtig)
- Tradition: Geht auf maurische und andalusische Bauweise zurück
🌄 Wofür sind sie bekannt?
1️⃣ Architektur & Ortsbild
- enge, verwinkelte Gassen
- kleine Plätze mit Brunnen
- blumengeschmückte Balkone
- weiß gestrichene Fassaden mit blauen oder grünen Fensterläden
2️⃣ Geschichte & Kultur
- starke maurische Einflüsse (Al-Andalus)
- viele Dörfer entstanden als Festungen oder Grenzorte
- Mischung aus arabischer, jüdischer und christlicher Kultur
3️⃣ Lage & Ausblicke
- spektakuläre Panoramablicke
- oft Blick auf:
- Olivenhaine
- Täler
- Schluchten
- oder sogar das Meer
4️⃣ Lebensstil & Traditionen
- ruhiges, entschleunigtes Leben
- lokale Feste (Ferias, Semana Santa)
- traditionelle Küche:
- Ziegenkäse
- Wildgerichte
- Olivenöl
- Sherry (v. a. in Cádiz)
Für unsere vier weißen Dörfer sagt das Internet:
🏘️ Ojén
Charakter: ruhig, ursprünglich, wenig touristisch
Lage: in den Hügeln oberhalb von Marbella, Richtung Sierra Blanca
Bekannt für:
- sehr authentisches Dorfleben
- enge, steile Gassen und klassisches weißes Ortsbild
- schöne Ausblicke auf die Küste
- Nähe zur Natur (Wanderungen, Sierra Blanca)
Kurz gesagt:
Ein echtes Pueblo Blanco ohne viel Trubel – ideal, wenn man das ruhige Andalusien sucht.
🏘️ Coín
Charakter: lebendig, lokal, landwirtschaftlich geprägt
Lage: im Guadalhorce-Tal, weiter im Landesinneren
Bekannt für:
- wichtiges regionalwirtschaftliches Zentrum
- Orangen-, Zitronen- und Avocadoanbau
- große Markthalle (Mercado de Abastos)
- weniger „postkartenhaft“, dafür sehr echt
Kurz gesagt:
Kein klassisches Postkarten-Dorf, sondern ein lebendiger Ort, in dem Andalusier wohnen und arbeiten.
🏘️ Alhaurín el Grande
Charakter: traditionell, aktiv, bodenständig
Lage: ebenfalls im Guadalhorce-Tal, nahe Málaga
Bekannt für:
- starke lokale Traditionen und Feste
- gute Gastronomie mit andalusischer Küche
- umliegende Olivenhaine und Landwirtschaft
- Ausgangspunkt für Wanderungen
Kurz gesagt:
Ein funktionierendes Dorf mit viel Alltagsleben, weniger touristisch, sehr andalusisch.
🏘️ Mijas Pueblo
Charakter: malerisch, touristisch, ikonisch
Lage: hoch über der Costa del Sol
Bekannt für:
- eines der berühmtesten Weißen Dörfer Andalusiens
- spektakuläre Aussicht auf Meer und Küste
- weiß-blaue Architektur, Blumen, kleine Plätze
- traditionell (wenn auch umstritten): Burro-Taxis
Kurz gesagt:
Das klassische Bilderbuch-Dorf – wunderschön, aber deutlich touristischer als die anderen.
In Ojén waren wir vor zwei Jahren schon mal, sodass wir uns dieses Mal darauf beschränken, an dem Ort vorbei zu fahren auf dem Weg nach Coín.

Von Coín sind wir enttäuscht, es hat so gar nichts von einem weißen Dorf. Auch eine Altstadt mit den typischen engen Gassen finden wir nicht wirklich (wir haben aber auch nicht intensiv gesucht). Vom einem Platz in Coín hat man zumindest eine Aussicht auf das Dorf bzw. eigentlich ist es, wie wir feststellen mussten, eine Stadt.


Coín hat mit ca. 22.000 Einwohner sehr viel mehr Einwohner als Ojén mit seinen ca. 4.800 Bürgern. Wahrscheinlich geht deswegen der Flair eines weißen Dorfes verloren.
Wir fahren weiter nach Alhaurín el Grande, das mit ca. 28.000 Einwohnern nochmal größer ist. Wir finden keinen Aussichtspunkt außerhalb vom Ort, um eine schöne Panorama Aussicht zu genießen und auch hier sind wir bei der Suche nach einem Stadtkern mit nahegelegenem Parkplatz nicht erfolgreich und das, obwohl wir durch so enge Straßen fahren, dass rechts und links nur wenige Zentimeter Platz ist.
Das letzte weiße Dorf ist Mijas Pueblo. Mit knapp 6.500 Einwohnern scheint es eher so wie Ojén zu sein. Und wir werden nicht so enttäuscht wie bei den letzten beiden Dörfern.


Der Ort ist sehr schön, aber auch sehr touristisch. Er liegt am Hang, sodass man ums Treppensteigen nicht herumkommt. Ab und an sieht man auch einen Aufzug, der einen von einer tieferen Gasse auf eine höhere bringt.


Im Ort ist es ruhig, es ist kaum Leben in den Straßen. Die Geschäfte machen gerade erst auf. Neben Leder-Geschäften finden sich Souvenierläden, Cafés und Restaurants. Viel anderes gibt es nicht.

Man kann sich für 15 – 25 EUR mit einem Burro-Taxi durch den Ort fahren lassen. Dabei handelt es sich um Esel, die früher als Last- und Arbeitstiere genutzt wurden und später begannen, Touristen mit Droschken durch das Dorf zu ziehen.
Abschließend fahren wir nach Hause mit dem Gedanken, Mijas Pueblo noch einmal zu besuchen, wenn etwas mehr los ist und der Ort nicht wie ausgestorben ist.

Nachmittags laufen wir zu Birdie auf einen Kaffee, ein Bananenbrot und einen Blaubeer-Muffin.
Abends bekommen wir vom Balkon wieder einen schönen Sonnenuntergang mit.


